Ein europaweit einmaliger Studiengang

Seit 2006 bietet die Private Hochschule (PFH) Göttingen am Standort Stade den speziell auf Verbundwerkstoffe zugeschnittenen Studiengang „Verbundwerkstoffe/Composites“ an.

Interview mit Peggy Repenning, Vizekanzlerin des Campus Stade

Das Thema Treibstoffverbrauch spielt eine immer größere Rolle in der Luftfahrtindustrie. Die Entwicklung und Verarbeitung gewichtsreduzierender Materialien, insbesondere Verbundwerkstoffe, ist daher ein wesentliches Kriterium der Flugzeugfertigung. Da die existierenden Ingenieurstudiengänge den besonderen Bedürfnissen der Flugzeugbauer zunächst nicht ausreichend entsprachen, wurde ein eigener Studiengang konzipiert. Seit 2006 bietet die Private Hochschule (PFH) Göttingen am Standort Stade den speziell auf Verbundwerkstoffe zugeschnittenen Studiengang „Verbundwerkstoffe/Composites“ an. Hier lehren fünf Professoren und über 20 Dozenten, die über Forschungserfahrung, beispielsweise beim DLR und der NASA, oder Praxiserfahrung in Unternehmen verfügen. Die spezifische und praxisnahe Ausbildung mit 15 bis 30 Studenten je Jahrgang erleichtert den beruflichen Einstieg. Durch den mittlerweile auch in Stade angebotenen Studiengang Business Administration kooperieren immer mehr regionale Unternehmen mit der PFH, die dazu beiträgt, Schulabsolventen im Elbe-Weser-Raum zu halten. Peggy Repenning ist Vizekanzlerin des Campus Stade und gibt Einblicke in den ganz besonderen Studiengang „Verbundwerkstoffe/Composites“.

Frau Repenning, wie kam die PFH Göttingen dazu, einen Standort in Stade einzurichten?

Schon in den ersten Jahren des CFK-Valleys gab es Überlegungen für Ausbildungsmöglichkeiten am Standort, um dem ganzheitlichen Anspruch gerecht zu werden. Der Umgang mit Carbon-Faser-verstärktem Kunststoff (CFK)  erfordert eine andere Herangehensweise, als sie in konventionellen Ingenieurstudiengängen gelehrt wird. Die PFH Göttingen entwickelte zunächst ein Konzept für einen entsprechenden Master-Studiengang. Die Idee bestand darin, Diplomingenieure weiterzubilden und so das Marktpotenzial zu nutzen. Das Konzept gefiel und wurde ausgearbeitet. Natürlich hat zunächst Airbus den Impetus für den Standort gegeben, indem es spezielle Fachkräfte nachgefragt hat.

Seit 2010 wird der Bachelor „Verbundwerkstoffe/Composites“ auch auf Englisch angeboten. Ungefähr 75 % ausländische Studenten haben wir dort zurzeit. Die Studiengänge sind branchenübergreifend konzipiert und europaweit einmalig. Der Bachelor beinhaltet ein freies Semester, das die Studenten für ein Auslandssemester oder ein Betriebspraktikum nutzen können, sodass sie auch für Regionen außerhalb Norddeutschlands interessant sind.

Wie finanzieren sich eigentlich Ihre Studenten?

Ungefähr zwei Drittel der Studenten lassen sich durch Unternehmen finanzieren und sind dadurch verpflichtet, nach Abschluss des Studiums für in der Regel zwei Jahre dort zu arbeiten. Das restliche Drittel finanziert sich selbst. Die Studenten haben Anspruch auf BAFöG und können bei der Sparkasse, mit der wir kooperieren, günstige Konditionen erhalten.

Wie sieht es mit der Frauenquote in diesen Studiengängen aus?

Ich schätze, dass gut ein Drittel unserer Studenten im Bachelor Frauen sind. Dazu tragen auch Unternehmen bei, die sich ebenfalls eine Frauenquote gesetzt haben. Aber auch wir versuchen zum Beispiel durch Schüler-Workshops aktiv Mädchen und junge Frauen für ein Studium am Standort Stade zu begeistern. Beim Master müssen wir nehmen, was der Markt uns bietet. Leider sind es momentan eher weniger weibliche Ingenieure.

Und woher kommen die Lehrkräfte für diesen besonderen Studiengang?

Experten, die sowohl die von uns geforderte fachliche Expertise als auch die Praxiserfahrung mitbringen, sind europaweit Mangelware. Sie werden insbesondere auch von Unternehmen händeringend gesucht. Als Hochschule punkten wir allerdings damit, dass wir mit der umfangreichen Tätigkeit sowohl in der Lehre als auch in der Forschung hervorragende Perspektiven für die Ingenieure bieten können. Und wir schaffen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen Freiräume dafür, dass unsere Professoren und Dozenten noch in weiteren Projekten mitwirken können.

Quelle: HWWI 2012