Facettenreiche Bildungs- und Forschungslandschaft

Die Aktivitäten des Luft- und Raumfahrzeugbaus im Bereich Forschung und Entwicklung sind deutlich höher als in anderen Industrien, sodass die Unternehmen dieser Branche wichtige Entwicklungsimpulse für den wissensbasierten Strukturwandel und die Stärkung der technologischen Leistungsfähigkeit in der Region setzen. Ergänzt werden die privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung durch die Förderung der Luft- und Raumfahrt mit öffentlichen Forschungsmitteln.

Luftfahrtindustrie investiert überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung sind die Grundlagen für die Erhöhung der Produktivität der Unternehmen und ihrer technologischen Leistungsfähigkeit.

Sie spielen daher für die Perspektiven der Luftfahrtindustrie in Norddeutschland eine wichtige Rolle. In Norddeutschland gab es im Jahr 2009 etwa 37.000 FuE-Beschäftigte und 5,4 Mrd. Euro für interne FuE-Aufwendungen. Gemessen am Umsatzanteil der norddeutschen Bundesländer (18,5 %) investieren die Unternehmen im Norden allerdings unterdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung.

 

 

Davon hebt sich aber der Luft- und Raumfahrzeugbau mit überdurchschnittlichen Forschungsaktivitäten positiv ab. In diesem Wirtschaftszweig wurden in Deutschland 2010 rund 3,4 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet, wobei etwa zwei Drittel von den Unternehmen und ein Drittel von öffentlichen Institutionen finanziert worden ist.
Im deutschen Luft- und Raumfahrzeugbau waren die internen FuE-Aufwendungen je Beschäftigtem im Jahr 2009 mehr als doppelt so hoch wie in der Industrie insgesamt. Dies sind die Aufwendungen eines Unternehmens für Forschung und Entwicklung innerhalb des eigenen Unternehmens.

Auch gemessen am Umsatzanteil der FuE-Aufwendungen übertrifft diese Branche andere Industriezweige deutlich. Im Kraftfahrzeugbau ist der Anteil der FuE-Aufwendungen am Umsatz nur etwa halb so hoch wie im Luft- und Raumfahrzeugbau.

 

Hamburg und Bremen bei Spitzentechnologie führend

In Hamburg und Bremen werden von Unternehmen der Spitzentechnologie 60 % der internen FuE-Aufwendungen geleistet. Zu diesem Technologiesektor gehören neben der Herstellung von Mess- und Regeltechnik, pharmazeutischen Erzeugnissen, Telekommunikationstechnik und elektronischen Bauelementen auch der Luft- und Raumfahrzeugbau. Dort liegt der Anteil deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 25 %. Dies spricht dafür, dass in Bremen und Hamburg ein großer Teil der FuE-Aufwendungen im Luft- und Raumfahrzeugbau erfolgt, denn dieser hat einen hohen Anteil an der Industrie dieser Bundesländer. Das unterstreicht die Bedeutung des Luft- und Raumfahrzeugbaus für die Forschungsaktivitäten in Norddeutschland.

 

Unternehmen der Luft- und Raumfahrt stark in der angewandten Forschung

Generell unterscheidet sich die Struktur der FuE-Aufwendungen in der Luft- und Raumfahrt von anderen Industriezweigen. So ist der Anteil der angewandten Forschung im Vergleich deutlich höher. Die experimentelle Forschung dagegen, die auf gewonnenen Erkenntnissen aufbaut und eine Verbesserung von Produkten oder die Einführung neuer Techniken zum Ziel hat, weist für die Luft- und Raumfahrt eine sehr viel geringere Bedeutung auf.

Quelle: HWWI

 

Vielseitige Forschungs- und Bildungseinrichtungen

Forschungs- und Bildungseinrichtungen sind ein wichtiger Teil von Innovationssystemen. Ihre Akteure generieren Wissen und transferieren es auf vielfältige Weise in die Wirtschaft. Grundlagenforschung findet hauptsächlich in öffentlichen Universitäten und Forschungseinrichtungen statt, da sie durch den privaten Sektor oft nicht ausreichend abgedeckt wird.

 

Vernetzung von Theorie und Praxis auf höchstem Niveau im DLR

Eine wichtige Institution für die luftfahrtbezogene Forschungslandschaft in Norddeutschland ist das DLR. Heute hat das Forschungszentrum seinen Hauptsitz in Köln und ist deutschlandweit an 16 Standorten vertreten. Die Arbeit am DLR umfasst die Grundlagenforschung sowie die Entwicklung und Anwendung von Produkten in den Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit. An den sechs norddeutschen DLR-Standorten wird zu verschiedenen Schwerpunkten geforscht.

 

International unterhält das DLR Verbindungsbüros in Paris, Brüssel und Washington D.C., sodass die norddeutschen Standorte über das DLR in das internationale Forschungsnetz integriert sind. Als Raumfahrtagentur ist es im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig.

 

Breit aufgestellte Forschungslandschaft in Norddeutschland

In der norddeutschen Luftfahrtforschung sind viele Hochschulen und hochschulnahe Institute, private wie öffentliche, in der anwendungsorientierten Grundlagenforschung und der angewandten Forschung aktiv. Die Forschungsaktivitäten verschiedener Institutionen sind für zahlreiche Unternehmen, beispielsweise aus der Luftfahrtindustrie und dem Schiff- und Automobilbau, relevant.

 

In Hamburg forschen die Institute der Technischen Universität Hamburg-Harburg unter anderem in den Bereichen Werkstoff- und Bauweisentechnologie, Kabinensysteme und Systemtechnik. In Niedersachsen ist die Technische Universität Braunschweig unter anderem in den Forschungsbereichen Flugzeugbau, Flugantriebe und Schweißtechnik aktiv.

 

Fachhochschulen arbeiten eher praxisorientiert und sind enger mit privaten Unternehmen verknüpft. Die Studiengänge „Verbundwerkstoffe / Composites“ an der Privaten Fachhochschule (PFH) Göttingen am Campus Stade, „Flugzeugbau“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg und „Luft- und Raumfahrttechnik“ an der Hochschule (HS) Bremen sind einige Beispiele dafür. Die private, von der Wirtschaft getragene Hochschule NORDAKADEMIE in Elmshorn bietet duale Ingenieurstudiengänge an und kooperiert dabei unter anderem mit Airbus.

 

Forschungsnetzwerke fördern Innovationen

Die norddeutschen Bundesländer haben zahlreiche Netzwerke mit Fokus auf Innovationen. Eine entsprechende Einrichtung ist das im Jahr 2009 gegründete Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Hamburg. Zu den Gesellschaftern gehören die Freie und Hansestadt Hamburg, Airbus, Lufthansa Technik, das DLR sowie vier Hochschulen der Hansestadt. ZAL-Partner haben die Möglichkeit, technische Qualifikationstests im TestCenter in Fuhlsbüttel durchzuführen. Voraussichtlich ab dem Jahr 2013 können sie auch im neuen TechCenter auf Finkenwerder Labore, Hallen und Arbeitsplätze nutzen, um unter einem Dach zu forschen und sich zu vernetzen. Im Fuel Cell Lab (FCL), das in das TechCenter integriert werden soll, wird schon jetzt im Bereich Brennstoffzellentechnologie branchenübergreifend geforscht.

 

Quelle: HWWI 2012