Globalisierung: der Norden gewinnt!

Kurz & Knapp

Die norddeutsche Luftfahrtindustrie profitiert von der Globalisierung, ihre Entwicklung wird wesentlich von der globalen Nachfrage beeinflusst. Bis 2031 erwarten die Flugzeughersteller einen weltweiten Bedarf von 30.000 Passagier- und Frachtmaschinen. Wichtige Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Luftfahrzeugen sind die Entwicklung der Weltbevölkerung und deren Einkommen.

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Die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und Auszubildenden ist eine zentrale Voraussetzung für die positive Weiterentwicklung der Luftfahrtindustrie in Norddeutschland, für FuE-Aktivitäten und die Adaption von Innovationen.

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Über 60 % des Umsatzes der Luft- und Raumfahrt in Deutschland wird im Ausland erzielt. Auch die norddeutschen Unternehmen der Luftfahrtindustrie und anderer Wirtschaftszweige setzen ihre Produkte international ab.


Asien bleibt Wachstumsmarkt und Treiber für die Flugzeugproduktion

Bis 2031 erwarten die Flugzeughersteller einen weltweiten Bedarf von 30.000 Passagier- und Frachtmaschinen. Nur ca. ein Fünftel hiervon geht in europäische Länder. Auf die Regionen Asien-Pazifik und Nordamerika entfällt zusammen mehr als die Hälfte der Nachfrage. Zu über 90 % werden Passagiermaschinen ausgeliefert, während der Anteil der Frachtflugzeuge lediglich bei 800 bis 1.000 Maschinen liegen wird.
Wichtige Einflussfaktoren auf das zukünftige Luftverkehrsaufkommen, das die Nachfrage nach Luftfahrzeugen bestimmt, sind die Entwicklung der Weltbevölkerung und deren Einkommen. Einem Bevölkerungsszenario der Vereinten Nationen zufolge wird die Weltbevölkerung von derzeit knapp unter 7 auf 9,3 Mrd. im Jahr 2050 steigen.

Megacitys als Knotenpunkte im internationalen Flugverkehr

Auch die Bevölkerungsverteilung innerhalb der Länder wird sich verändern. Die fortschreitende Urbanisierung führt zu einer Zunahme der Anzahl an Megastädten mit über 10 Mio. Einwohnern. Die meisten Metropolen in dieser Größenordnung werden in Asien entstehen. In Tokio lebten bereits im Jahre 2010 deutlich mehr als 30 Mio. Einwohner. Im Jahr 2025 werden auch die Einwohnerzahlen von Delhi, Mumbai, Sao Paulo, Dhaka, Mexiko City, New York, Kalkutta und Shanghai bei mehr als 20 Mio. liegen. In der Europäischen Union wird 2025 lediglich die Metropolregion Paris mit rund 12 Mio. Einwohnern zu den 30 weltweit größten urbanen Agglomerationen gehören. Nach Untersuchungen von Airbus trägt die Urbanisierung über steigende Pro-Kopf-Einkommen zum höheren Fluggastaufkommen bei.

Neben der Bevölkerungsentwicklung wird die Einkommensentwicklung einen erheblichen Einfluss auf die Luftverkehrsnachfrage haben. So kommt es mit steigendem Wohlstand auch zu einem Anstieg des Passagieraufkommens.

Entsprechend der Prognose von Oxford Economics wird die Weltwirtschaft nach Überwindung der jüngsten Wirtschaftskrise wieder dynamisch wachsen. Bis 2030 wird eine Verdreifachung der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 2011 auf rund 250 Bio. US-Dollar prognostiziert. Der Anteil Asiens am Einkommen wird um ein Drittel steigen, während der Europas und Nordamerikas deutlich zurückgeht. Das Gewicht Südamerikas, Afrikas und Ozeaniens in der Weltwirtschaft wird etwa konstant bleiben.

Passagieraufkommen wächst schneller als das Pro-Kopf-Einkommen

In den Jahren von 2000 bis 2009 ist das globale Passagieraufkommen im Luftverkehr durchschnittlich etwa um das 1,6-fache des PKE gestiegen. Parallel zum Passagierwachstum steigt auch die jeweils von den Fluggästen zurückgelegte Strecke (Passagierkilometer (RPK)). Zwischen 2011 und 2030 wird diese nach Prognosen von Airbus weltweit von 4.800 auf über 12.500 Mrd. RPK zulegen. Der Luftverkehr innerhalb Chinas wird dabei mit mehr als 1.400 Mrd. RPK führen. Darauf folgt der Luftverkehr innerhalb der USA und innerhalb Westeuropas. Die höchste Wachstumsrate weist mit jährlich rund 10 % der Inlandsluftverkehr in Indien auf..

Die Zahl der Fluggäste je Einwohner hat sich regional sehr heterogen entwickelt. So stieg die Zahl der Flugpassagiere in China seit 1995 auf mehr als das Fünffache, und in Brasilien und Indien auf mehr als das Dreifache. Auch die Passagierzahlen in Deutschland haben sich seit 1995 etwa verdreifacht, wuchsen nach einem Rückgang 2009 im Folgejahr allerdings weniger dynamisch. In den USA war die Zahl der Fluggäste je Einwohner zwischen 2007 und 2009 rückläufig und lag 2010 nur leicht über dem Wert von 1995. Weil die USA aber bereits ein sehr hohes Niveau haben, liegen sie in den Prognosen für das Passagieraufkommen im Jahr 2031 weiterhin mit an der Spitze. Demgegenüber steht zudem – auch zukünftig – eine wachsende Bevölkerung, was sich auf die Entwicklung des Passagieraufkommens pro Kopf auswirkt.

Quelle: HWWI 2012