Biokraftstoffe

Kurz & Knapp

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung der Luftfahrt setzt sich die Industrie intensiv mit der Nutzung alternativer Flugkraftstoffe auseinander. Besondere Bedeutung kommt dabei aus Biomasse hergestelltem Bio-Kerosin zu, da der Luftverkehr kurz- bis mittelfristig auf Flüssigbrennstoffe angewiesen ist.

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Flugreisen werden für immer mehr Menschen erschwinglich. Die steigende Zahl der Passagiere und Flüge bedeutet auch neue Herausforderungen für die ökonomische und ökologische Effizienz der Flugzeuge.

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Bio-Kerosin-Forschung in Norddeutschland

Die Luftfahrtindustrie sieht sich seit Jahren mit steigenden Kerosinpreisen, strengeren Umweltauflagen und steigendem Umweltbewusstsein ihrer Kunden konfrontiert. Diese Trends werden auch in Zukunft bestehen, weshalb sich die Luftfahrt intensiv mit der Nutzung alternativer Flugkraftstoffe auseinandersetzt. Besondere Bedeutung kommt dabei aus Biomasse hergestelltem Bio-Kerosin zu, da der Luftverkehr kurz- bis mittelfristig auf Flüssigbrennstoffe angewiesen ist. Bei der Verbrennung von Biokraftstoffen wird in etwa so viel CO₂ emittiert, wie zuvor von den Pflanzen gespeichert wurde.

Biokerosin im Praxistest

Anfang 2012 schloss die Deutsche Lufthansa einen halbjährigen Praxistest zur Verwendbarkeit von Biokraftstoffen im Linienflugverkehr ab. Insgesamt 1.187 Flüge absolvierte ein Airbus A321 in dem Zeitraum auf der Strecke Hamburg-Frankfurt-Hamburg. Dabei wurde eines der Triebwerke mit einer zu 50 % aus biosynthetischem Kerosin bestehenden Treibstoffmischung betrieben. Bei dieser als Drop-in-Methode bezeichneten Vorgehensweise sind keinerlei Modifikationen an den Triebwerken und am Flugzeug notwendig. Das Bio-Kerosin lieferte das dänische Mineralölunternehmen Neste Oil, das den Kraftstoff „NExBTL“ aus nachhaltig angebauten Jatropha-Pflanzen und Schlachtabfällen produzierte. Allein bei diesem Projekt konnten 1.500 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Für die Bündelung des Fachwissens haben sich führende Unternehmen der Luftfahrtindustrie, darunter EADS und die Deutsche Lufthansa sowie norddeutsche Partner wie die TU Hamburg-Harburg, die Leuphana Universität Lüneburg und das Bremer Unternehmen Phytolutions GmbH zu der „Aviation Initative for Renewable Energy in Germany“ (aireg) zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen die Unternehmen und Forschungseinrichtungen eine nachhaltige Industrialisierung der Produktion von Bio-Kerosin vorantreiben, damit bereits ab 2025 10 % des Treibstoffbedarfs der Luftfahrt aus alternativen Quellen bezogen werden kann.

Biokrafstoff 2.0

Ein hohes Potenzial sehen die Experten in der Nutzung von Algen als Basis von Bio-Kerosin. Algen benötigen zum Wachsen im Wesentlichen lediglich Salzwasser, CO₂ und Licht und weisen im Vergleich zu Landpflanzen eine 20-mal höhere Wachstumsrate auf. Mit dem Einsatz von Algen als CO₂-Speicher und als Basis hochenergetischer Treibstoffe beschäftigt sich die Phytolutions GmbH in Bremen. Das von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als „Ausgewählter Ort“ ausgezeichnete Unternehmen arbeitet eng mit der Bremer Jacobs University zusammen. Ein weiterer Partner ist Volkswagen. Dies verdeutlicht die positiven Wirkungen der Luftfahrtforschung und zeigt Kooperationspotenziale zwischen den verschiedenen Fahrzeugherstellern in den norddeutschen Bundesländern auf.

Quelle: HWWI 2012